Regionalgruppe Rhein-Main

Lesbian Visibility Day – Lesben sind noch unsichtbar

Am 26. April 2020 ist Lesbian Visibility Day – Tag der lesbischen Sichtbarkeit. Dieser Tag, der die Aufmerksamkeit der Welt auf die Bedarfe und Lebenssituationen von Lesben lenken soll und deren Vorbilder, Kultur und Vielfalt feiert, ist selbst unter Lesben weitestgehend unbekannt! Und dabei gibt es ihn wahrscheinlich schon seit 2008.

Da stellt frau sich doch die Frage: Ist ein solcher Tag nicht wichtig? Brauchen wir Lesben diese Art der Aufmerksamkeit und Anerkennung nicht?

Oh doch!

Lesbische Frauen sind im beruflichen, wie im privaten Umfeld nach wie vor unsichtbar.

Die britische Expertin für Gender und LGBT equality Dr. Julie Scanlon weist in einem aktuellen Artikel darauf hin, dass sexuelle Beziehungen zwischen Männern in Großbritannien per Gesetz verboten waren, während lesbische Beziehungen nie illegal waren. Sie wurden schlichtweg nicht erwähnt. Die Situation in Deutschland war nicht anders. Bis zum heutigen Tage werden Lesben häufig „mitgemeint“, entweder werden sie unter LGBT* bzw. Homosexuelle subsummiert oder unter Frauen – je nach Zusammenhang. Das Motto einer für alle und alle für einen ist ganz sicher angebracht, aber ein gesunder Egoismus in Richtung der lesbischen Gemeinschaft darf auch gelebt werden.

Eine Studie der amerikanischen Networking- und Dating App HER ergab, dass sich 31% der befragten Frauen nicht in der PRIDE repräsentiert sehen. Die Begründung: Pride Events sind zu sehr auf homosexuelle Männer ausgerichtet. Offenbar müssen Lesben auch in der LGBT Community noch sichtbarer werden.

Fakt ist, Männer sind auch im Jahr 2020 mit einem größeren Selbstverständnis sichtbarer als Frauen. Hier sind wir weit entfernt von Gleichstellung und Chancengleichheit. Im Erwerbsleben stoßen Lesben sogar im doppelten Sinne an die „gläserne Decke“, als Frau und als Lesbe.

Lesbian Visibility Day

Die Neuauflage der Studie „Out im Office?!“ zur Arbeitssituation von LGBT* Personen (2017) zeigt, dass rund ein Drittel (30,5%) die sexuelle Identität verschweigt, oder sich nur einigen wenigen Kollegen öffnet. Der aktuelle Report „Women in the Workplace“ der Unternehmensberatung McKinsey (2019) zeigt sogar, dass sich lesbische Frauen am Arbeitsplatz unsicherer fühlen als Frauen an sich.

23% der befragten lesbischen Frauen denken, dass Sie am Arbeitsplatz nichts über ihr Privatleben preisgeben können, während nur 10% der befragten Frauen ebenso empfinden. Ein ebenso hoher Prozentsatz der Lesben hat am Arbeitsplatz schon herabsetzende Kommentare gehört, während dies nur 16% der Frauen bestätigen. Dieser kleine Einblick in aktuelle Studien zeigt bereits, dass sich viele lesbische Frauen in Unternehmen psychisch und physisch unsicher fühlen. Diese Faktoren sind eklatant wichtig für die Performance der einzelnen Personen und die erfolgreiche Arbeit in Teams.

Trotz der Erfolge, die die LGBT* Community in den letzten Jahren in Punkto Sichtbarkeit und Anerkennung für sich verzeichnen konnte, befürchten immer noch viele, dass ein Outing am Arbeitsplatz nachteilig für die Karriere sein kann, oder sogar zum Verlust des Arbeitsplatzes führt. Dies gilt insbesondere für die Ebene des Top-Managements aber auch für Berufsanfänger*innen.

Dieser kurze Überblick macht mehr als deutlich, dass der Tag der lesbischen Sichtbarkeit, neben dem Internationalen Frauentag und LGBT* Events eine große Rolle spielen muss. Unternehmen, Vereine und lesbische Frauen müssen diesen Tag (selbst-)bewusst begehen und für umfassende, weltweite Sichtbarkeit sorgen.

Sichtbarkeit ist notwendig auf dem Weg zur Akzeptanz!

Die Wirtschaftsweiber e.V. folgen dem Beispiel lesbischer Zeitschriften und Organisationen in Großbritannien und den USA und nehmen den Lesbian Visibility Day als festen Bestandteil in den Aktionskalender auf. 2021 werden zu diesem Anlass Informationsabende, Vorträge und Workshops angeboten.

Für alle Informationen dazu, besuchen Sie unsere Website www.wirtschaftsweiber.de, folgen Sie uns auf unseren Social Media Kanälen, oder besuchen Sie unsere regelmäßig stattfindenden Netzwerktreffen.